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Labuan Bajo

Labuan Bajo (ca. 520km Luftlinie von Bali entfernt), ist eine Hafenstadt auf Flores, einer Insel der Provinz Nusa Tenggara Timur, welches wiederum eine Inselgruppe im Osten von Bali ist. Besonders bekannt ist Labuan Bajo als Ausgangspunkt zum Komodo Nationalpark, auf welchen die berühmten Komodowarane leben und für die Tauchgebiete im Nationalpark, welche zu den besten in Indonesien oder gar weltweit gehören.

Auf Flores leben, anders als in Bali oder Lombok, auf welchen es mehrheitlich Hindus bzw. Muslime hat, etwa 90% Christen, Katholiken und Protestanten, als Folge der portugiesischen Missionierung im 16. Jahrhundert und der späteren Eroberung durch die Holländer.

Die letzten paar Jahre hat Labuan Bajo einen regelrechten Tourismusboom (wenn auch auf tiefem Niveau) erlebt. Der Flughafen wurde erneuert und ausgebaut, die Stadt wächst kontinuierlich und der Hafen wird immer öfter von Liveaboard-Schiffen und den bei Backpackern beliebten, wenn auch berüchtigten, Pinisi-Holzbooten (traditionelle indonesische Boote), welche die Bali-Lombok-Flores Route in 4 Tagen und 3 Nächten befahren, angelaufen. Leider ist es gerade letztes Jahr auf dieser Route zu einem gravierenden Unfall mit 2 toten Touristen gekommen, als ein Pinisi-Boot bei rauer See untergegangen ist. Also war es uns schon im Vorfeld klar, dass wir wieder mit dem Flugzeug nach Bali zurückkehren würden!

Offenbar ist Labuan Bajo auch bei italienischen Touristen sehr beliebt und verfügt deshalb über eine überdurchschnittliche Anzahl (guter) italienischer Restaurants, von der einfachen Pizzeria bis zum doch schon etwas gehobenen Gourmetlokal. Ebenso gibt es eine lebendige Community italienischer Expats, welche sich dort offensichtlich sehr wohl fühlen und diverse Geschäfte eröffnet haben.

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Da unsere Anreise etwas anstrengend gewesen war, haben wir uns entschieden, die ersten paar Tage nur die Stadt und nähere Umgebung zu erkunden, bevor wir dann den Nationalpark besuchen würden. Zur Erkundung der Umgebung haben wir uns zwei Scooter gemietet und sind damit rund um die Stadt gefahren, soweit die Strassen noch einigermassen OK waren. Ganz im Norden der Stadt wurden die Strassen irgendwann so steil, schlecht oder löchrig, dass wir dann nicht mehr weiter gefahren sind. Traumstrände gibt es eh rund um Labuan Bajo keine. Dafür muss man mit einem Boot auf eine der Inseln des Nationalsparks fahren.
Für die Erkundung des Nationalparks haben wir dann bei einem Reiseanbieter vor Ort eine Tagestour gebucht, welche von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends dauert (oder dauern sollte). Da es an diesem Tag keine anderen Gäste hatte, waren wir dann die einzigen an Bord und hatten so quasi eine Privattour! 1 Kapitän, 1 Ankermann, 1 Reiseführer, 1 Koch, 1 Mechaniker auf 4 Gäste!

Die Tour führt quer durch den Nationalpark zuerst zur Komodo Insel zum Schnorcheln mit den Mantas (!) am Manta-Point, dann zu Mawan Island, einer kleinen, unbewohnten Insel etwa 30 Minuten von Komodo entfernt, welche über einen wunderbaren Sandstrand verfügt, wo man nochmals Schnorcheln kann und auch zu Mittag isst. Am Nachmittag dann geht es zur Insel Rinca, wo Trekking und Komodowaran-Sightseeing angesagt ist und schliesslich, zum Sonnenuntergang, zu Kalong Island, einer Mangroveninsel, welche von hunderten von Flughunden bewohnt ist, welche bei Sonnenuntergang zur Nahrungssuche ausschwärmen.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den Waranen auf Komodo und Rinca? Manche sagen, es gäbe keinen, andere behaupten die Warane auf Rinca seien aggressiver als diejenigen auf Komodo. Ausserdem soll es auf Komodo generell schwieriger sein, welche zu Gesicht zu bekommen. Da wir nur auf Rinca waren, können wir das nicht abschliessend beurteilen. Die Warane, die wir gesehen haben, waren jedenfalls nicht sonderlich aggressiv, es waren aber auch nur weibliche Tiere, da gerade Paarungszeit war und die Männchen sich dann irgendwo in die Büsche verkriechen und nur schwer auszumachen sind. Das Trekking findet im Übrigen immer zusammen mit einem Wildhüter statt, der im Notfall die Tiere zurück halten kann.

Die See ist in diesem Gebiet recht stürmisch und es gibt sehr starke Unterwasserströmungen, so dass man beim Schnorcheln oder Tauchen sehr vorsichtig sein muss. Gemäss unserem Reiseführer war erst kürzlich eine Touristin durch die Strömung so weit weg vom Boot abgedriftet , dass sie nicht mehr aus eigener Kraft zurück konnte und auf einer kleinen Felseninsel von einem anderen Boot gerettet und zu ihrem Boot zurück gefahren werden musste. Die Überfahrt nach Rinca nach dem Mittagessen war dann auch recht schwierig, mit grossen Wellen und einer Gischt, die alles auf dem Boot nass machte. Wir verkrochen uns dann im vorderen Teil des Bootes, quasi im Frachtraum, der zwar etwas stinkte, dafür trocken blieb. Die Kinder machten keine Anstalten seekrank zu werden und lachten bei jeder grossen Welle, auf welche unser Boot rauf und runter ritt. Am Schluss sind sie sogar eingeschlafen!
Nach dem Trekking auf Rinca, bei der Überfahrt zur Mangroveninsel, war dann prompt etwas mit der Motorölpumpe nicht mehr in Ordnung und der Dieselmotor stellte regelmässig ab. Offenbar war Wasser in den Öltank gelangt und setzte dem Motor so zu, dass dieser ausging. Also musste der Mechaniker (jetzt wussten wir auch, warum immer einer an Bord ist) ran und das ganze provisorisch reparieren und zwar etwa alle 30 Minuten. Dadurch kamen wir bei absoluter Dunkelheit wieder in Labuan Bajo an und ich war sehr froh, dass der Kapitän jedes Riff im Nationalpark auswendig kennt!

Da war es noch nicht so dunkel, aber umso romantischer!

Da nicht ganz klar war, wann der Flughafen von Bali wieder wegen der Vulkanasche schliessen würde, sind wir insgesamt nur 7 Tage in Labuan Bajo geblieben, da wir befürchteten, allenfalls unseren Flug immer weiter nach hinten verschieben zu müssen. Es hat dann aber gleich beim ersten „Versuch“ geklappt. Auf Flores gibt es aber noch viel mehr zu sehen, so dass wir eigentlich gerne noch länger geblieben wären. So hatten wir bei unserer Rückkehr nach Bali noch Zeit, ein paar Tage auf Nusa Lembongan, einer kleinen Insel vor Bali, zu verbringen. Fortsetzung folgt…