Schlagwort-Archiv: Jean Michel Cousteau

Huahine, Gesellschaftsinseln

Huahine liegt 175km nordwestlich von Tahiti und ist Teil der Gesellschaftsinseln. Die Insel besteht aus zwei Gebirgsketten, Huahine Nui (gross) und Huahine Iti (klein). Die Bevölkerung von rund 6‘000 Einwohnern verteilt sich auf acht verschiedene Dörfer, mit dem Hauptort Fare, welches der typischen, verschlafenen, polynesischen Hafenortschaft entspricht. Das Dorf befindet sich direkt am Wasser, rund um einen kleinen Hafen, mit ein paar Einkaufsmöglichkeiten und wenigen Touristenläden.

Besonders bekannt ist Huahine für seine archäologischen Ausgrabungsstätten und den „heiligen Aalen“. Da Huahine in der Vergangenheit ein Zentrum polynesischer Kultur gewesen ist, findet man rund 30 sogenannte Maraes (zeremonielle Tempel), welche von Archäologen wieder aufgebaut wurden. Vermutlich aber waren die Steine der Tempel in der Vergangenheit bei der Bevölkerung sehr begehrt, denn von den Tempeln sieht man heute nur noch die Grundrisse.

Bei der Ortschaft Faie findet man, im nahegelegenen Flussbett, die „heiligen Aale“ von Tahiti. Der Legende nach kroch der erste Aal über die Berge von Arue (Tahiti) aus nach Huahine. Da er sehr einsam war, heiratete er ein wunderschönes Weibchen aus Mataiea und begründete damit die Aalpopulation von Huahine. Heute sind sie natürlich auch eine Touristenattraktion und werden regelmässig mit „heiligen“ Makrelen aus „heiligen“ Dosen, welche auf „heiligen“ Märkten in der ganzen Insel gekauft werden können, gefüttert. Sie sind absolut harmlos und praktisch handzahm. Mit ihrer Länge von bis zu 2 Metern und den blauen Augen haben sie auch Lara und Fiona sehr interessiert, zu ihnen ins Wasser steigen wollten die beiden dann doch nicht!
Da Huahine sehr gebirgig ist, hat es nur ein paar wenige Sandstrände. Die absoluten Traumstrände finden sich am ehesten an den, um die Insel liegenden, Motus. Das gilt eigentlich fast für alle Gesellschaftsinseln. Wenn man also ein Bild von einem Traumstrand sieht, wurde das wahrscheinlich an einem Motu und nicht auf der Hauptinsel aufgenommen. Gut, die Ansprüche steigen wohl einfach mit der Zeit, denn die folgenden zwei Bilder wurden auf Huahine selbst aufgenommen…

Für uns ist Huahine auch Teil und erster Halt der Kreuzfahrt mit der MS Paul Gauguin.

Klicken zum Vergrössern
Klicken zum Vergrössern

Die MS Paul Gauguin ist in der Südsee scheinbar so etwas wie eine Legende. Ob es am klingenden Namen liegt oder an ihrer, für heutige Kreuzfahrtschiffe, bescheidenen Grösse? Es hat darauf Platz für maximal 332 Passagiere. Zum Vergleich: die ebenfalls in der Südsee verkehrende Celebrity Eclipse, welche zufälligerweise gleichzeitig mit uns im Hafen von Papeete ankerte, hat Platz für 2‘850 Passagiere! Wie auch immer. Unsere Kreuzfahrt war ja nicht Monate im Voraus geplant. Das nächste Schiff, das von Tahiti auslaufen würde (und wir uns in etwa leisten konnten), war ganz einfach die MS Paul Gauguin.
Das Schiff bietet wirklich Luxus pur. Die Belegschaft ist praktisch zu jeder Zeit verfügbar, das Zimmermädchen stellt sich persönlich vor, die Kellner veranstalten jeden Abend ein Ballett um uns herum, kein Stuhl, den man selbst zurecht rücken müsste, keine Serviette, die auf dem Tisch liegen bleibt. Die Aufzählung liesse sich endlos weiterführen. Für uns, die wir als „Weltenbummler“ unterwegs sind, eine etwas andere Welt. Und auch unter den Passagieren (90% USA, 5% Neuseeland/Australien, 5% Europa) sind wir eher die Exoten und aufgrund unserer kurzfristigen Buchung nicht einmal im schiffseigenen Länderspiegel aufgeführt. Dabei hätte es uns so gefreut, mit „Schweiz: 4“ aufgelistet zu werden!
Zum Angebot auf dem Schiff gehören auch Lesungen und so haben wir also Jean Michel Cousteau, den ich schon im Artikel über Rangiroa erwähnt habe, kennen gelernt. Er spricht über die Zukunft der Weltmeere und über seine Stiftung „Ocean Futures Society“, die sich als „Stimme für den Ozean“ versteht und er taucht auch auf dem Schiff mit den Sporttauchern mit. Seine Lieblingsfrage? Welches sein schönster Tauchgang in all den Jahren gewesen sei. Der nächste!
An der Anlegestelle von Huahine werden wir demnach herzlich empfangen und für die landestypische Musikkulisse ist ebenfalls gesorgt!

Und „last but not least“ ein Video von Huahine:

Rangiroa, Tuamotu-Archipel

In etwa einer Flugstunde erreicht man von Papeete aus Rangiroa im Tuamotu-Archipel. Das Tuamotu-Archipel besteht, anders als etwa die Gesellschaftsinseln, aus einer Reihe von Atollen, also flachen Inseln (Motus) rund um eine Lagune. Rangiroa bezeichnet also nicht eine bestimmte Insel, sondern das ganze Atoll. Auf der flächenmässig grössten Insel im Nordosten des Atolls liegen die Dörfer Avatoru und Tiputa, rund 12km voneinander entfernt und in der Mitte der kleine Flughafen. An vielen Stellen ist die Insel so schmal, dass man von der Strasse aus links und rechts das Meer sehen kann. Die anderen Inseln des Atolls erreicht man mit regelmässig verkehrenden Wassertaxis, für die bewohnten Inseln oder mit privaten Booten, für die unbewohnten.

Die Lagune in der Mitte des Atolls ist bis zu 35km breit, so dass man die gegenüberliegenden Inseln nicht sehen kann. Man hat also den Eindruck, dass man ins offene Meer hinaussieht und bei Windstille ist die Lagune spiegelglatt. Auf dem folgenden Bild, welches zwar bei leichtem Wind aufgenommen wurde, sieht man keine Wellen bis zum Horizont.

Klicken zum Vergrössern
Klicken zum Vergrössern

Auf Rangiroa lässt sich noch das ursprüngliche Polynesien erahnen. Auch hier ist der Fortschritt (Flughafen, Mobilfunk, Importgüter, Tourismus) längst angekommen, doch die Einwohner leben noch nach ihrem gewohnten Rhythmus: so ist zwischen 12 Uhr und 16 Uhr kein einziger Lebensmittelladen oder sonstiger Laden offen. Das bevorzugte Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad, beim Kreuzen auf der Strasse grüsst man sich und Fahrradfahren nennen sie hier „faire une ballade“ (Spazieren fahren). Ab 16 Uhr versammelt man sich beim „Passe de Tiputa“, einem Meeresdurchlasses am östlichen Ende der Hauptinsel, um Delphine beim Spielen in der Strömung zu beobachten. Die Kinder vergnügen sich währenddessen lieber beim Hafen von Tiputa mit Sprüngen ins kristallklare Wasser.

Die Restaurants sind, nett ausgedrückt, „basic“ und nicht ganz günstig, meist von ausgewanderten Franzosen geführt, die in dieser abgelegenen Gegend aus dem einen oder anderen Grund „hängen geblieben“ sind. Wer z.B. einen kauzigen, ehemaligen Schiffskoch (so unsere Vorstellung zumindest) in seinem Restaurant erleben möchte, der muss unbedingt das „Obelix“ besuchen. Der Gast kann zwischen Fleisch oder Fisch wählen, beides entweder mit Reis oder Pommes Frites als Beilage. Der angeschriebene Mahi Mahi Fisch (ein lokaler Fisch) kann dann, je nach Verfügbarkeit, auch ein Thunfisch oder Marlin sein. Und bitte nicht allzu viele Fragen stellen oder gar Sonderwünsche äussern! Wer den Film „Life of Pi“ mit Gerard Depardieu als Schiffskoch gesehen hat, weiss, worauf ich hinaus will.

Die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel bestehen, wie praktisch überall in Französisch Polynesien, aus recht teuren Pensionen oder noch teureren Hotels. Spätestens jetzt merkt man, dass auch das Paradies seinen Preis hat und wer wie wir, viel in Asien unterwegs gewesen ist, erlebt möglicherweise nicht nur einen Kulturschock, sondern auch einen Preisschock. Diesen erst einmal verdaut, entscheiden wir uns für das „Hotel Maitai Rangiroa“, einer sehr gepflegten Anlage, mit Bungalows im lokalen Stil und einer atemberaubenden Aussicht auf die Lagune.

Den Kindern gefällt es jedenfalls hier!

Doch auch im Paradies muss Lara ihre Hausaufgaben erledigen!

Klicken zum Vergrössern
Klicken zum Vergrössern

Von Rangiroa aus gibt es eine Flugverbindung nach Fakarava, ebenfalls im Tuamotu-Archipel gelegen, UNESCO Biosphärenreservat, absolute Traumdestination für Sporttaucher und Lieblingstauchspot von Jean Michel Cousteau (dem Sohn des berühmten Jacques Yves Cousteau, aber davon später mehr). Diesmal hat es leider nicht dafür auch noch gereicht, doch wer weiss, eines Tages… in der Zwischenzeit trösten wir uns mit schönen Erinnerungen an Rangiroa: