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Taha’a, Gesellschaftsinseln

Taha’a ist vom gleichen Riff umschlossen wie die grössere Nachbarsinsel Raiatea und liegt in Sichtweite von Bora Bora. Der Tourismus beschränkt sich auf eine Reihe von schönen Motus am nördlichen Ende des Riffes. Die Insel selbst bekommt wenig vom Tourismus mit und auch wir haben auf einen Ausflug darauf verzichtet, es wäre nur eine geführte Tour möglich gewesen. Die Bevölkerung lebt vom Fischfang, der Viehzucht oder dem Anbau von Vanille.

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Taha’a ist als eines der Highlights der Kreuzfahrt auf der MS Paul Gauguin ausgelegt. Hier geben sich die Verantwortlichen die grösste Mühe, um bei den Gästen das (von uns auf Bora Bora vermisste) Südseefeeling aufkommen zu lassen. Es wird ein ganzer Motu gemietet, ein grosses Buffet und Grill werden vom Schiff aus mit kleinen Beibooten auf das Motu transportiert, eine Strandbar eingerichtet. Das Animationsteam empfängt die ankommenden Gäste mit polynesischen Gesängen und Musik und bietet Kurse im Flechten von Taschen und Hüten aus Palmblättern. Man kann Kajaks und Paddleboards benutzen, schnorcheln oder einfach im flachen Wasser relaxen und sich ab und zu von der vorbeischwimmenden „floating bar“ einen Schluck genehmigen. Wenn das Leben auf einem Kreuzfahrtschiff entspannt ist, dann ist es auf dem Motu Mahana die Steigerung davon!

Auf den anderen Inseln, die die Kreuzfahrt angesteuert hat, haben wir jeweils ein Auto oder zwei Scooter gemietet und versucht jede Ecke zu erkunden; auf Taha’a sind wir hingegen dem „dolce far niente“ verfallen. Ich habe mich dann noch etwas zusammengerissen und einen Film gedreht. Teile davon waren dann sogar auf dem Abschlussvideo der Kreuzfahrt zu sehen, da der mitreisende Kameramann von Jean Michel Cousteau (ja, er hat einen persönlichen Kameramann!) daran Gefallen fand.

Bora Bora, Gesellschaftsinseln

Schon während der Vorbereitung unserer Reise bekam Bora Bora eine mysteriöse Aura in unserer Vorstellung. Jedes Mal wenn wir z.B. Freunden von unserer Reise erzählten und dann als eines der Reiseziele Bora Bora erwähnten, kam prompt ein „Oohh“ oder „Wow“, auf jeden Fall reagierten alle ganz anders, als auf z.B. Christchurch (Sorry, liebe Christchurcher!).

Was war es also, dass uns auf dieser offenbar sagenumwobenen Insel erwarten sollte, wäre es quasi der Höhepunkt unserer Reise? Das reine Paradies? Adam und Eva und der Apfel bzw. die Kokosnuss? Auch Lara und Fiona kannten die Insel schon, also den Namen zumindest. In einer Folge von Pippi Langstrumpf erzählt Pippi davon und die beiden kennen ja alle Folgen quasi auswendig!

Nun, wie es so ist mit Idealvorstellungen, werden diese oft von der Realität eingeholt. Aber zuerst der Reihe nach.

Bora Bora ist fast vollständig von einem Korallenriff umgeben. Es existiert lediglich eine „passe“ (Meeresdurchlass), ansonsten hat es rund um die Hauptinsel nur Lagune. Die Insel ist, wie die meisten anderen Gesellschaftsinseln, ein erodierter, erloschener Vulkan. In der Vergangenheit hiess die Insel auf Polynesisch Porapora (Erstgeborene), im Glauben, dass es die erste (nach Hawaii) entstandene Insel gewesen sei. Der erste westliche Entdecker war 1769 Kapitän James Cook (nein, leider nicht Kapitän Ephraim Langstrumpf, liebe Kinder).

Im 2. Weltkrieg war die Insel eine Nachschubbasis der Amerikaner, welche eine Landebahn für Grossflugzeuge und einen grosszügig dimensionierten Hafen erstellten. Der nach dem Krieg stillgelegte Flugplatz wurde 1951, als internationaler Flughafen für die zivile Luftfahrt wieder eröffnet. Wer damals in die Südsee fliegen wollte, landete also in Bora Bora und nicht etwa auf Tahiti, das erst 10 Jahre später seinen internationalen Flughafen vollendete. So hat Bora Bora also über 10 Jahre den Südseetraum vieler damaliger Reisender geprägt und wurde quasi zu dessen Inbegriff.

Klar, auch uns hat Bora Bora gefallen, vor allem wenn man draussen in der Lagune auf einem Motu mit weissem Strand und kristallklarem Wasser ist und rüber schaut. Und eindrücklich ist dieser mächtige Felsen in der Mitte der Lagune, mit ihren tausend Schattierungen von blau, bestimmt. Und all die wundervollen, exklusiven Luxushotels auf den Motus mit ihren Wasserbungalows, in welchen die Schönen und Reichen verkehren, können auch beeindruckend sein. Aber befindet sich nun hier also das polynesische Paradies? Ich würde sagen, nein. Je näher man der Insel kommt, umso weniger idyllisch ist es. Das Dorf rund um den Hafen hat absolut keinen Charme. Und die Inselbewohner sind, nach all diesen Jahren des masslosen Tourismus, verständlicherweise auch nicht auf eine persönliche Begegnung aus. Landschaftlich ist Bora Bora zwar grossartig, doch die wenigsten wählen sie als Trekking-Destination aus. So bleibt sie leider oft nur Kulisse für den Ausblick aus einem der unzähligen Wasserbungalows und wirklich schön nur aus der Entfernung.

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Südsee ohne Bora Bora ginge ja auch nicht! Zurück würde ich persönlich aber lieber nach Rangiroa. Den Kindern gefällt es natürlich überall, wo man „Bädele“ und „Sändele“ kann…

Und ich selbst habe auch noch meine erste SUP Lektion erhalten. Später wurde ich dann lockerer und musste übrigens nicht mehr so oft nach unten schauen…

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Im folgenden Film, diesmal unter Wasser, seht ihr allerlei „Meerestiere“:

Und zuletzt ein Film aus der Luft:

Huahine, Gesellschaftsinseln

Huahine liegt 175km nordwestlich von Tahiti und ist Teil der Gesellschaftsinseln. Die Insel besteht aus zwei Gebirgsketten, Huahine Nui (gross) und Huahine Iti (klein). Die Bevölkerung von rund 6‘000 Einwohnern verteilt sich auf acht verschiedene Dörfer, mit dem Hauptort Fare, welches der typischen, verschlafenen, polynesischen Hafenortschaft entspricht. Das Dorf befindet sich direkt am Wasser, rund um einen kleinen Hafen, mit ein paar Einkaufsmöglichkeiten und wenigen Touristenläden.

Besonders bekannt ist Huahine für seine archäologischen Ausgrabungsstätten und den „heiligen Aalen“. Da Huahine in der Vergangenheit ein Zentrum polynesischer Kultur gewesen ist, findet man rund 30 sogenannte Maraes (zeremonielle Tempel), welche von Archäologen wieder aufgebaut wurden. Vermutlich aber waren die Steine der Tempel in der Vergangenheit bei der Bevölkerung sehr begehrt, denn von den Tempeln sieht man heute nur noch die Grundrisse.

Bei der Ortschaft Faie findet man, im nahegelegenen Flussbett, die „heiligen Aale“ von Tahiti. Der Legende nach kroch der erste Aal über die Berge von Arue (Tahiti) aus nach Huahine. Da er sehr einsam war, heiratete er ein wunderschönes Weibchen aus Mataiea und begründete damit die Aalpopulation von Huahine. Heute sind sie natürlich auch eine Touristenattraktion und werden regelmässig mit „heiligen“ Makrelen aus „heiligen“ Dosen, welche auf „heiligen“ Märkten in der ganzen Insel gekauft werden können, gefüttert. Sie sind absolut harmlos und praktisch handzahm. Mit ihrer Länge von bis zu 2 Metern und den blauen Augen haben sie auch Lara und Fiona sehr interessiert, zu ihnen ins Wasser steigen wollten die beiden dann doch nicht!
Da Huahine sehr gebirgig ist, hat es nur ein paar wenige Sandstrände. Die absoluten Traumstrände finden sich am ehesten an den, um die Insel liegenden, Motus. Das gilt eigentlich fast für alle Gesellschaftsinseln. Wenn man also ein Bild von einem Traumstrand sieht, wurde das wahrscheinlich an einem Motu und nicht auf der Hauptinsel aufgenommen. Gut, die Ansprüche steigen wohl einfach mit der Zeit, denn die folgenden zwei Bilder wurden auf Huahine selbst aufgenommen…

Für uns ist Huahine auch Teil und erster Halt der Kreuzfahrt mit der MS Paul Gauguin.

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Die MS Paul Gauguin ist in der Südsee scheinbar so etwas wie eine Legende. Ob es am klingenden Namen liegt oder an ihrer, für heutige Kreuzfahrtschiffe, bescheidenen Grösse? Es hat darauf Platz für maximal 332 Passagiere. Zum Vergleich: die ebenfalls in der Südsee verkehrende Celebrity Eclipse, welche zufälligerweise gleichzeitig mit uns im Hafen von Papeete ankerte, hat Platz für 2‘850 Passagiere! Wie auch immer. Unsere Kreuzfahrt war ja nicht Monate im Voraus geplant. Das nächste Schiff, das von Tahiti auslaufen würde (und wir uns in etwa leisten konnten), war ganz einfach die MS Paul Gauguin.
Das Schiff bietet wirklich Luxus pur. Die Belegschaft ist praktisch zu jeder Zeit verfügbar, das Zimmermädchen stellt sich persönlich vor, die Kellner veranstalten jeden Abend ein Ballett um uns herum, kein Stuhl, den man selbst zurecht rücken müsste, keine Serviette, die auf dem Tisch liegen bleibt. Die Aufzählung liesse sich endlos weiterführen. Für uns, die wir als „Weltenbummler“ unterwegs sind, eine etwas andere Welt. Und auch unter den Passagieren (90% USA, 5% Neuseeland/Australien, 5% Europa) sind wir eher die Exoten und aufgrund unserer kurzfristigen Buchung nicht einmal im schiffseigenen Länderspiegel aufgeführt. Dabei hätte es uns so gefreut, mit „Schweiz: 4“ aufgelistet zu werden!
Zum Angebot auf dem Schiff gehören auch Lesungen und so haben wir also Jean Michel Cousteau, den ich schon im Artikel über Rangiroa erwähnt habe, kennen gelernt. Er spricht über die Zukunft der Weltmeere und über seine Stiftung „Ocean Futures Society“, die sich als „Stimme für den Ozean“ versteht und er taucht auch auf dem Schiff mit den Sporttauchern mit. Seine Lieblingsfrage? Welches sein schönster Tauchgang in all den Jahren gewesen sei. Der nächste!
An der Anlegestelle von Huahine werden wir demnach herzlich empfangen und für die landestypische Musikkulisse ist ebenfalls gesorgt!

Und „last but not least“ ein Video von Huahine:

Rangiroa, Tuamotu-Archipel

In etwa einer Flugstunde erreicht man von Papeete aus Rangiroa im Tuamotu-Archipel. Das Tuamotu-Archipel besteht, anders als etwa die Gesellschaftsinseln, aus einer Reihe von Atollen, also flachen Inseln (Motus) rund um eine Lagune. Rangiroa bezeichnet also nicht eine bestimmte Insel, sondern das ganze Atoll. Auf der flächenmässig grössten Insel im Nordosten des Atolls liegen die Dörfer Avatoru und Tiputa, rund 12km voneinander entfernt und in der Mitte der kleine Flughafen. An vielen Stellen ist die Insel so schmal, dass man von der Strasse aus links und rechts das Meer sehen kann. Die anderen Inseln des Atolls erreicht man mit regelmässig verkehrenden Wassertaxis, für die bewohnten Inseln oder mit privaten Booten, für die unbewohnten.

Die Lagune in der Mitte des Atolls ist bis zu 35km breit, so dass man die gegenüberliegenden Inseln nicht sehen kann. Man hat also den Eindruck, dass man ins offene Meer hinaussieht und bei Windstille ist die Lagune spiegelglatt. Auf dem folgenden Bild, welches zwar bei leichtem Wind aufgenommen wurde, sieht man keine Wellen bis zum Horizont.

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Auf Rangiroa lässt sich noch das ursprüngliche Polynesien erahnen. Auch hier ist der Fortschritt (Flughafen, Mobilfunk, Importgüter, Tourismus) längst angekommen, doch die Einwohner leben noch nach ihrem gewohnten Rhythmus: so ist zwischen 12 Uhr und 16 Uhr kein einziger Lebensmittelladen oder sonstiger Laden offen. Das bevorzugte Fortbewegungsmittel ist das Fahrrad, beim Kreuzen auf der Strasse grüsst man sich und Fahrradfahren nennen sie hier „faire une ballade“ (Spazieren fahren). Ab 16 Uhr versammelt man sich beim „Passe de Tiputa“, einem Meeresdurchlasses am östlichen Ende der Hauptinsel, um Delphine beim Spielen in der Strömung zu beobachten. Die Kinder vergnügen sich währenddessen lieber beim Hafen von Tiputa mit Sprüngen ins kristallklare Wasser.

Die Restaurants sind, nett ausgedrückt, „basic“ und nicht ganz günstig, meist von ausgewanderten Franzosen geführt, die in dieser abgelegenen Gegend aus dem einen oder anderen Grund „hängen geblieben“ sind. Wer z.B. einen kauzigen, ehemaligen Schiffskoch (so unsere Vorstellung zumindest) in seinem Restaurant erleben möchte, der muss unbedingt das „Obelix“ besuchen. Der Gast kann zwischen Fleisch oder Fisch wählen, beides entweder mit Reis oder Pommes Frites als Beilage. Der angeschriebene Mahi Mahi Fisch (ein lokaler Fisch) kann dann, je nach Verfügbarkeit, auch ein Thunfisch oder Marlin sein. Und bitte nicht allzu viele Fragen stellen oder gar Sonderwünsche äussern! Wer den Film „Life of Pi“ mit Gerard Depardieu als Schiffskoch gesehen hat, weiss, worauf ich hinaus will.

Die Übernachtungsmöglichkeiten auf der Insel bestehen, wie praktisch überall in Französisch Polynesien, aus recht teuren Pensionen oder noch teureren Hotels. Spätestens jetzt merkt man, dass auch das Paradies seinen Preis hat und wer wie wir, viel in Asien unterwegs gewesen ist, erlebt möglicherweise nicht nur einen Kulturschock, sondern auch einen Preisschock. Diesen erst einmal verdaut, entscheiden wir uns für das „Hotel Maitai Rangiroa“, einer sehr gepflegten Anlage, mit Bungalows im lokalen Stil und einer atemberaubenden Aussicht auf die Lagune.

Den Kindern gefällt es jedenfalls hier!

Doch auch im Paradies muss Lara ihre Hausaufgaben erledigen!

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Von Rangiroa aus gibt es eine Flugverbindung nach Fakarava, ebenfalls im Tuamotu-Archipel gelegen, UNESCO Biosphärenreservat, absolute Traumdestination für Sporttaucher und Lieblingstauchspot von Jean Michel Cousteau (dem Sohn des berühmten Jacques Yves Cousteau, aber davon später mehr). Diesmal hat es leider nicht dafür auch noch gereicht, doch wer weiss, eines Tages… in der Zwischenzeit trösten wir uns mit schönen Erinnerungen an Rangiroa:

Tahiti, Gesellschaftsinseln

Bis Tahiti war unsere Reise schon im Voraus geplant. “What To Do and See in French Polynesia“, dieses Kapitel hatten wir in der Schweiz, nach mehrmaligen Versuchen, immer wieder beiseitegelegt. Irgendwie schien uns das sonst so hilfreiche Internet, ausgerechnet am anderen Ende der Welt im Stich zu lassen – passend zur Internetverfügbarkeit, die hier sehr, sehr schlecht ist, aber das sollten wir dann noch vor Ort erfahren.

In Französisch Polynesien gehen die Dinge also noch ihren gewohnten Gang, was so viel heisst, dass man tatsächlich persönlich miteinander spricht oder anruft, statt eine Mail zu schreiben. Es gibt auch noch florierende Reisebüros hier! Eine Welt, wie wir sie vor 20 Jahren kannten.

Wer also keine Woche Zeit in Tahiti verbringen will, um die nötigen Kontakte zu knüpfen und an alle Informationen zu kommen, dem sei geraten, in der Schweiz einen spezialisierten Reiseveranstalter aufzusuchen. Natürlich verpasst man so viele interessante Begegnungen und erfährt vielleicht weniger darüber, wie dieses kleine, gemischte und sympathische Volk aus Polynesiern und Franzosen mitten im Paradies so funktioniert. Wobei das Paradies nicht (mehr) in Tahiti zu finden ist, dafür muss man erst einmal Tahiti verlassen, aber dazu später mehr.

Wie gesagt ist Tahiti für die Planung der einzig richtige Ort (und für uns auch, um etwas nach der längeren Reise in Neuseeland zu entspannen). Hier bekommt man z.B. im „Office de Tourisme de Tahiti“ sehr gute Ratschläge zu Schiffreisen: « Non, un cargo c’est pas bien pour une famille avec des enfants » (Nein, ein Cargo-Schiff ist nicht für eine Familie mit Kindern geeignet.) oder « Oui, l’Aranui 3 c’est une très belle expérience, mais les prix ont triples les dernières années ! » (Ja, die Reise mit der Aranui 3 ist eine sehr schöne Erfahrung, doch die Preise haben sich in den letzten Jahren verdreifacht) oder „Pour le MS Paul Gauguin vous pouvez avoir les prix pour les résidents.“ (Die MS Paul Gauguin könnt ihr zum Einheimischen-Tarif buchen.) Aha! Davon ausgehend, dass ein Einheimischer nie im Leben xxx EUR (die Summe ist zu gross für meine Tastatur!) für 2 zweier Kabinen (vierer Kabinen gibt es leider nicht) ausgeben würde und könnte, geht es also gleich nach dem Office de Tourisme ins nächste Reisebüro. Und tatsächlich, die Einheimischen bezahlen nur etwas mehr als 1/3 des regulären Tarifes! Aber „Psst“, nicht weitererzählen!

Überhaupt ist man, sobald man in Tahiti ist und die erwähnten Kontakte geknüpft hat, fast schon ein Einheimischer.

Man kann nämlich im Büro von Air Tahiti für eine kleine Gebühr eine Familienkarte für Einheimische (!) lösen. Dazu braucht man zwar ein Passfoto eines Elternteils und die Geburtsscheine der Kinder, doch dann kann man etwa 30% auf dem Flugtarif sparen. Klar, wer hat denn schon die Geburtsscheine der Kinder dabei? Aber dank des Internets (dafür ist es dann doch nützlich) und Tina in der Schweiz (Du bist ein Schatz!) kann man die Kopien direkt an Air Tahiti weiterleiten.

Oder dank eines Anrufes eines (neuen) Bekannten bei Avis, das Auto ebenfalls zum Einheimischen-Tarif mieten. Eine in Tahiti investierte Woche zahlt sich also schnell aus…

Worauf man in Tahiti grösstenteils verzichten kann, sind ausgiebige Sightseeing-Touren und die Strände sind ebenfalls nicht die zu erwartenden Traumstrände, denn sie sind schwarz. Nur bei den grösseren Hotels hat es hellen, feinen Sand, denn diese Strände wurden künstlich angelegt. Nicht ganz unser Ding.

So sind wir also ungeplant und absolut kurzfristig (5 Tage vor Abreise) zu einer Kreuzfahrt auf der MS Paul Gauguin gekommen. Eine Kreuzfahrt! Eigentlich auch nicht unser Ding, aber doch irgendwie schön und auch praktisch, um an viele der im Pazifik verstreuten Inseln zu kommen. Und um gut zu Essen und sich etwas Schönes zu gönnen, nach all den Strapazen, die so eine lange Reise mit sich bringt. Ok, beim Lesen jetzt bitte nicht laut lachen! Danke!

Über die Reise mit der MS Paul Gauguin werde ich noch ausführlich berichten. Zuerst aber sind wir nach Rangiroa im Tuamotu-Archipel geflogen, um die 5 Tage zu überbrücken und eine andere Inselgruppe zu sehen, denn die gebuchte Kreuzfahrt steuert hauptsächlich die Gesellschaftsinseln an.

Französisch Polynesien, Intro

Französisch Polynesien wird oft als Traumdestination genannt und es gibt wirklich viel traumhaftes hier, das Internet hingengen ist ein Albtraum (teuer, langsam, schlecht verfügbar), darum wird es leider noch etwas dauern, bis wir hier mehr darüber berichten können. Aber als „Appetitanreger“ kann ich schon einmal die Liste der besuchten Orte nennen und ein kurzes Video zu Rangiroa beifügen:

– Tahiti
– Rangiroa, Tuamotu-Archipel
– Huahine, Gesellschaftsinseln
– Bora Bora, Gesellschaftsinseln
– Taha’a, Gesellschaftsinseln
– Moorea, Gesellschaftsinseln

Neuseeland, Nordinsel

Wellington

Wellington – “The coolest little capital in the world”. So zumindest wurde die Stadt von TripAdvisor 2010 genannt und die Bezeichnung wurde sogleich vom Stadtmarketing übernommen und wird heute noch erfolgreich eingesetzt. Und TripAdvisor hatte meiner Meinung nach Recht!

Wellington ist wirklich unheimlich „cool“! Wenn man bedenkt, dass die Stadt gerade einmal 190‘000 Einwohner hat, also weniger als die Hälfte von Zürich, und dennoch eine gewisse Grossstadtatmosphäre verströmt – einfach eine „relaxtere“ und am Meer.

Und das Meer, insbesondere die Hafengegend, machen schon 50% dieser „Coolness“ aus. Im alten Hafen wimmelt es nur so von Szenebeizen, Cafés, coolen Bars, schicken Restaurants, Foodtrucks und alternativen Läden. In den ehemaligen Lagerhallen, den sogenannten „Sheds“, haben sich verschiedenste Betriebe einquartiert: ein Theater, eine Indoor-Kletterhalle mit SUP- und Kajakvermietung, um nur einige wenige zu nennen. Und das alles in direkter Nachbarschaft zum neuen Teil des Hafens, welcher weiterhin ganz normal in Betrieb ist, mit Frachtschiffen und den grossen Fähren zur Südinsel.

Ausserdem finden dort regelmässig (wir hatten das Gefühl jeden zweiten Tag) Events statt. Bei unserem Besuch war es ein Drachenbootrennen im Hafenbecken und ein Südostasien-Festival mit Essen, Aufführungen und Verkaufsständen. Und wir waren nur 3 Tage dort.

Dann gibt es noch die Gegend um die Cuba Street, mit ebenfalls interessanten Lokalen, einer Mikrobrauerei, von welcher ich ein hervorragendes „Pale Ale“ probiert habe und einem sehr alternativen Publikum. Mich hat es etwas an das Zürcher Niederdorf erinnert, einfach vor mehr als 20 Jahren, mit „meh Dräck“ oder anders gesagt, nicht so herausgeputzt, wie es heute ist.

Die Stadt ist eingebettet rund um den Hafen und Hügellandschaften, auf welchen es sehr schöne Aussichtspunkte gibt. Einen davon, Mount Victoria kann man mit dem Auto erreichen, einen weiteren mit einer roten Zahnradbahn (Made in Switzerland!), die die Innenstadt mit dem Botanischen Garten verbindet.

Napier

Napier (316km, 4h), unser nächster Halt nach Wellington, hatte also einen schweren Stand, gegen das coole Wellington. Napiers Bekanntheit kommt daher, dass die Stadt 1931 durch ein grosses Erdbeben, bei welchem sich der Erdboden um fast 2.7m (!) anhob, praktisch ausradiert wurde und anschliessend, im damals vorherrschenden Art Déco-Stil, wieder aufgebaut wurde. Auch das Stadtmarketing dieser Stadt weiss diesen Umstand zu nutzen, so sind sogar die Strassenschilder in einer Art Déco-Schrift beschriftet und das Touristen-Informationszentrum macht fleissig Werbung für Rundfahrten mit historischen Fahrzeugen.

Tatsächlich hat es einige sehr schöne Art Déco Häuser, wie z.B. das Hotel Masonic, welches kürzlich sehr authentisch renoviert wurde. Man beachte auch das wundervolle Fahrzeug vor dem Hotel!

Andere Teile der Innenstadt hingegen genossen keinen allzu grossen denkmalpflegerischen Schutz, so dass die Erdgeschosse leider in einer x-beliebigen Stadt stehen könnten. Wenn man den Blick auf das Obergeschoss hebt, kann man sich jedoch vorstellen, wie die Stadt einmal ursprünglich ausgesehen hat.

Während unseres Aufenthaltes in Napier haben uns noch die Ausläufer des Zyklons Pam gestreift, aber ausser eines Besuches der örtlichen Feuerwehr auf unserem Freedom-Campingplatzes (direkt am Strand!), welche uns darüber orientiert hat, dass das Meer während der Nacht allenfalls „etwas ansteigen“ könnte und einer dadurch unruhigen Nacht im Camper, ist dann schlussendlich nichts passiert. Was in Vanuatu hingegen geschehen ist, konnte man in den Zeitungen und Fernsehen verfolgen. Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen! Hier ein Link zu Unicef www.unicef.ch/de/aktuell/news/zyklon-pam-82000-kinder-benoetigen-dringend-hilfe mit einem Spendenaufruf.

Taupo

Die Strecke von Napier nach Taupo (141km, 1:45h) ist wiederum, vor allem im ersten Teil, eine Nervenbelastung, wenn man mit einem 3 Tonnen schweren, übergrossen Gefährt unterwegs ist. Eine Kurve folgt auf die andere, bis man das Kaweka Mittelgebirge (1‘724m ü. M) hinter sich gelassen hat und auf eine Ebene (350 m ü. M) kommt, welche sich bis zum Lake Taupo hinzieht. Dafür wird man mitten im Kaweka Mittelgebirge durch den relativ wenig bekannten Waipunga Wasserfall belohnt, der mit seinen 40m Höhe vielleicht nicht zu höchsten Wasserfällen zählt, jedoch landschaftlich sehr schön eingebettet ist. Auf der linken Seite sieht man noch den kleineren Waiarua Wasserfall.

Taupo liegt am gleichnamigen Lake Taupo, einem Kratersee, eines vor ca. 26‘000 Jahren kollabierten Vulkans und ist der grösste See Neuseelands.

Taupo01
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Rund um Taupo gibt es eine ganze Reihe von sehenswerten Orten.:

  • Otumuheke Steam (1,5km): Heisse Quellen, welche in den Waikato River fliessen, mit natürlichen „Hot Pools“ zum Baden.
  • Craters Of The Moon (7km): Ein grosses Areal mit thermischen Aktivitäten. Aus einer Vielzahl von Erdlöchern steigt Wasserdampf auf, was besonders am Morgen, wenn es noch kalt ist, sehr eindrucksvoll sein soll. Auch hat es „Mud Pools“ mit heissem Schlamm, der eindrücklich blubbert.
  • Huka Falls (6km): Mehrere Wasserfälle des Waikato River (der Zufluss des Lake Taupo), wobei der höchste und eindrucksvollste eine Höhe von 11m hat. Die Höhe allein macht aber nicht den Reiz aus, sondern vielmehr die Wassermasse, die durch den Engpass schiesst. Auf dem folgenden Video sieht man das besser, als auf den Fotos.

Rotorua

Folgt man für weitere 81km (1h) dem sogenannten „Thermal Explorer“ State Highway erreicht man Rotorua. Rotorua liegt ebenfalls an einem See, dem Lake Rotorua, an dessen Ufern man sich selber „Hot Pools“ graben kann. Es genügt 20cm tief im Sand zu graben und schon mischt sich das kalte Seewasser mit dem heissen Wasser aus dem Untergrund. Auch gibt es auf fast jedem (Bezahl-) Campingplatz künstliche „Hot Pools“, die mit Untergrundwasser gespiesen werden. Für Kinder sind diese aber nicht immer geeignet, da einige davon zu heiss sind. Eine weitere Gefahr, auf welche man achten muss, sind die Süsswasser Amöben, welche in dieser Gegend vorkommen und dank dem warmen Wassers bestens gedeihen. Darum sollte man auf keinen Fall den Kopf unter Wasser halten, da eine Ansteckung in der Regel durch Nase oder Ohren erfolgt und es für eine allfällige, durch die Amöben ausgelöste, Hirnhautentzündung keine Medikamente gibt und daher mit einer hohen Mortalität einhergeht.

PS. Uns geht es bestens und ich will auch keine Panik verursachen, sondern auf diese wichtige Verhaltensregel hinweisen, falls jemand einmal in diese Gegend reist.

Rotorua ist auch für seinen Geruch nach faulen Eiern bekannt, der durch die Schwefeldämpfe aus den heissen Quellen kommt. In der Stadt selber und am See ist uns dies allerdings nicht besonders aufgefallen, in „Te Puia“, einem weiteren Areal mit thermischen Aktivitäten, jedoch haben sich die Kinder mehrmals beschwert, dass es stinkt. Zum Glück hatte es an diesem Tag aber auch immer Wind, so dass sie die ca. 1,5 stündige Besichtigung dann doch ausgehalten haben.

TePuia01
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In Te Puia gibt es unzählige Erdlöcher, aus welchen heisser Dampf aufsteigt, Mud Pools, heisse Quellen und einen Geysir, der spontan Wasser und Dampf ausstösst.

An einem heissen Pool, dem Ngararatuatara Cooking Pool, ist eine Vorrichtung angebracht, die zeigt, wie die Maori früher die Quellen auch zum Kochen genutzt haben.

Der Geysir war anlässlich unseres Besuches recht aktiv, so dass ich ausser den Fotos auch einen kurzen Film gemacht habe.

Papamoa Bay/Mt. Manganui

Papamoa Bay (64km, 0:52h), unser nächster Halt in Richtung Norden, ist eine bei Surfern beliebte Bucht, ganz in der Nähe von Mt. Manganui. Insgesamt eine schmucke Gegend mit etwas Riviera-Charakter und schönen Ferienhäusern. Die Zweitwohnungs-Initiative hat es nicht bis Neuseeland geschafft…

Coromandel Halbinsel

Die Coromandel Halbinsel hat uns wirklich sehr gut gefallen! Es ist eine landschaftlich sehr schöne Gegend mit vielen sehenswerten Orten und abwechslungsreicher Natur. Nach einem Halt in Onemana (117km, 1:42h von Mt. Manganui) sind wir gleich nach Hahei und zum Cathedral Cove gefahren. Leider war gerade Flut, so dass es auf den Bildern nicht so eindrücklich aussieht, aber man erkennt den Durchgang im Berg trotzdem recht gut.

Unser Mittagessen haben wir beim „Hot Water Beach“, ganz in der Nähe von „Cathedral Cove“ eingenommen. Leider war die anschliessende Suche nach dem „Hot Water“ am Beach ergebnislos. Auch hier war immer noch Flut und die warmen Quellen lassen sich scheinbar nur bei Ebbe finden. Die Fahrt nach Whangapoua (108km, 1:37h von Onemana) brachte dann eine fast märchenhafte Landschaft zum Vorschein!

Whangapoua ist dafür bekannt, dass man von dort aus den New Chums Beach erreichen kann, welcher wiederum dafür bekannt ist, dass ein britisches Magazin ihn zu einem der 20 schönsten Stränden weltweit erkoren hat. Dies und die Tatsache, dass der Strand nur zu Fuss und über einen wirklich abenteuerlichen Weg zu erreichen ist, haben dann die Popularität nochmals gesteigert. Ursprünglich wollten wir den Strand mit der ganzen Familie besichtigen, aber schon nach 100m Metern wurde uns klar, dass das mit den Kindern unmöglich sein würde, denn der Pfad geht zu Beginn der Küste entlang über Felsen, die immer wieder vom Meer umspült werden. Also bin ich alleine losgezogen. Gut, das Fazit der halbstündigen und nassen Wanderung: er hat Platz 20, aber das war’s dann auch schon. Der Reiz liegt wohl wirklich in seiner schlechten Erreichbarkeit.

Abschliessend zur Coromandel Halbinsel noch ein paar Bilder mit Aussicht auf Coromandel und den Firth Of Thames, sowie auf unseren mittlerweile liebgewonnenen Camper!

Auckland 1. Stop/Muriwai Beach

Der Weg nach Norden führt zwangsläufig über Auckland und somit zu unserem ersten Halt dort. Aus lauter Müdigkeit haben wir in Ramarama (147km, 2:11h) übernachtet. Eine absolut schmucklose Gegend, welche man getrost übergehen kann. Zum Übernachten war’s gut genug.

79km (1h) nach Ramarama erreicht man Muriwai Beach, das bei Aucklands Surfern quasi das Mekka ist. Der schwarze Strand, die hohen Wellen und das wechselhafte Wetter entsprachen wohl dem Bild, der wilden Westküste Neuseelands. Eine ganz andere, aber dennoch interessante Gegend. Ausser den Surfern zuzusehen und eine ansässige Tölpel Kolonie zu besichtigen, gab es für uns dann nicht mehr so viel zu tun.

Nach einem Abstecher nach Whangarei (158km, 2:11h) geht es zurück Richtung Auckland nach Orewa (127km, 1:41h), wo uns Esther, eine Freundin, die in Neuseeland lebt, fürs Wochenende auf dem Camping-Platz erwartet. Orewa ist das Naherholungsgebiet Aucklands, nur 36km davon entfernt, mit einem schönen Strand, nicht so hohen Wellen, wie an der Westküste, aber dennoch solchen, die man surfen kann. Ein wirklich erholsames Weekend – danke Esther!

Auckland 2. Stop

Auckland ist die grösste Stadt Neuseelands und auch dessen finanzieller Mittelpunkt. Nach fast einem Monat im Camper unterwegs und vom Reisen etwas müde, hat es dann doch noch für eine kleine Stadtbesichtigung gereicht:

einer kurze Rundfahrt im Naturhafen mit einer Fähre

einem Rundgang in der Hafengegend

einer kleinen Wanderung auf den Mount Eden, einem erloschenen Vulkan mit bester Aussicht auf die Stadt

und einem Abstecher auf den SkyKey, inkl. Drehrestaurant:

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Ach ja, für unser „Züri-Kollegen“, die mitlesen, hier noch ein Foto der Zürich in Auckland:

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Gefahrene Kilometer in Neuseeland: 2‘751km

Neuseeland, Südinsel

Ich weiss, ich war in letzter Zeit nicht so fleissig im Bloggen, darum muss ich nun unsere Reise in Neuseeland auf der Südinsel in einem Beitrag zusammenfassen. Sorry, dass es so viel zum Lesen ist…

Christchurch

Von Melbourne sind wir mit dem Flugzeug nach Christchurch geflogen, um unseren Camper in Empfang zu nehmen. Davor haben wir noch 2 Tage in der Stadt verbracht, um diese zu besichtigen.

Leider wurde Christchurch im September 2010 und nochmals im Februar 2011 von einem Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogen. Die ganze Innenstadt gleicht einer Ruinenstadt, manche Gebäude wurden noch nicht wieder aufgebaut, an anderen Orten werden Neubauten, mit viel Stahl und Beton, erdbebensicher hochgezogen. In der Stadt herrscht insgesamt eine seltsame Stimmung, fast geisterhaft.

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Positiv sind mir die Umnutzungen von Stadtbrachen, welche durch das Erdbeben entstanden sind, aufgefallen. So gibt es eine Art Containerdorf mit kleinen Restaurants, Cafés und Läden. An vielen Orten wurden Fassaden, welche plötzlich sichtbar geworden sind, von lokalen Künstlern umgestaltet.

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Im Nachhinein wären wir doch lieber nur für 1 Tag geblieben. So waren wir dann irgendwie froh, dass wir endlich unseren Camper abholen konnten.

Kaikoura

Von Christchurch sind wir nach Kaikoura (181km, 2:30h) gefahren, welches für Walbeobachtungen (leider keine gesehen), Delphinsichtungen (leider auch nicht) und mehrere ansässige Robbenkolonien (ja, die haben wir gesehen!) bekannt ist. Kaikoura ist ein süsses, ehemaliges Fischerdorf mit einem farbenfrohen und lebendigen Zentrum und wahnsinnig viel Natur drum herum, idyllisch zwischen zwei grossen Buchten gelegen und einem Berg in der Mitte, von welchem man wunderbare Rundumsicht hat.

Gleich für unsere erste Übernachtung sind wir zu einem Freedom-Campingplatz am Strand, ca. 16km nördlich von Kaikoura gefahren. Freedom-Camping bedeutet, dass man mit dem Camper an einem von der Gemeinde festgelegten Ort übernachten darf. Das kann ein Strand, ein Rastplatz oder sogar ein Parkplatz in einer Innenstadt oder eines Einkaufszentrums sein. Manche Gemeinden erlauben das Campieren sogar auf Parkplätzen auf dem ganzen Gemeindegebiet, ausser z.B. in Wohnzonen. Bedingung ist immer, dass man über ein sogenanntes „self-contained mobilehome“ verfügt, also dass das eigene Schmutzwasser aufgefangen wird und man eine eigene (chemische) Toilette hat.

Simona war sich zwar nicht ganz so sicher, ob das Ok sein würde, einfach so in der Natur zu übernachten, doch zum Glück hatte es dort noch einige andere Camper und so war es ihr dann doch nicht ganz so unheimlich. Wir sind ja in Sachen Camping und erst recht Freedom-Camping absolute Anfänger, aber in Neuseeland ist Freedom-Camping akzeptiert und weit verbreitet und wir haben uns mittlerweile bestens daran gewöhnt.

Abendstimmung an unserem „Campingplatz“

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Hier noch ein paar Fotos der Robbenkolonien in und um Kaikoura. Die Mädels waren natürlich von den süssen Tieren begeistert, wenn letztere auch die meiste Zeit nur rumgelegen sind. Robben machen halt wahrscheinlich nicht viel anderes, als Fische jagen und rumliegen…

Nelson, Rabbit Island

Die Fahrt von Kaikoura bis nach Nelson (243km, 3h) ist recht kurvig und anstrengend, vor allem, wenn man mit einem Fahrzeug in der Grösse eines Kleinlasters unterwegs ist. Irgendwie hat der Charme dieser gemütlichen Kleinstadt darum bei uns nicht verfangen und dass der Freedom-Campingplatz im Innenhof von Einkaufsläden war, machte die Sachen nicht wirklich besser. Dafür ist Rabbit-Island, wo wir am nächsten Tag, gleich frühmorgens hingefahren sind, für mich ein echter Geheimtipp. Die Insel, welche mit einer Brücke mit dem Festland verbunden ist, liegt nur 26km von Nelson entfernt und verfügt über einen Kilometer langen Sandstrand, der (zumindest am Morgen) völlig menschenleer ist. Dort in der Natur zu Frühstücken und einen frischen Kaffee zu geniessen war wirklich ein Highlight.

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Marahau, Tasman Nationalpark

Marahau befindet sind nördlich von Nelson (64km, 1h) und ist quasi der Eingang zum Tasman Nationalpark. Dort endet die Strasse und man kommt nur noch zu Fuss oder mit dem Boot weiter. Der Tasman Nationalpark ist wirklich ein Muss für jeden, der Neuseeland bereist, ausser man hat kleine Kinder dabei, dann ist Trekking oder Wandern nicht besonders prickelnd, denn es endet in der Regel nach 30-45 Minuten damit, dass sie müde sind und wieder zurück wollen. So ist es bei einem kurzen Abstecher und Mittagessen geblieben. Und die Fahrt dahin ist landschaftlich absolut sehenswert!

Kaiteriteri, Motueka

Von Marahau bis Kaiteriteri (8km, 0:15h) sind es wiederum gefühlte eine Million Kurven, auf einer Strasse, die für die Breite eines Cinquecento (das Originalmodell) gebaut wurde. Der Strand von Kaiteriteri ist sehr schön und sehr beliebt, doch glücklicherweise nicht das ganze Jahr über. Im Dezember oder Januar, während der Hauptsaison, ist er bestimmt überlaufen. Im März hingegen kann man ihn recht entspannt geniessen.

Der nächste Freedom-Campingplatz liegt in Motueka (16km, 0:23h) und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die dort sehr strenge Alkoholvorschriften haben (siehe im nächsten Bild Abschnitt „Powers Of The Police“ – „Without warrant to search bags, packages and other types of containers and vehicles“). Fürs Übernachten war es aber total in Ordnung.

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Picton, Fähre

Die Strecke von Motueka bis Picton (153km, 2:19h), wo die Fähre zur Nordinsel ablegt, kann man auch am Stück fahren, da wir es aber lieber gemütlich angehen, haben wir uns für einen Zwischenhalt in Blenheim (194km, 2:30h) (ausgesprochen „Blinim“!) entschieden. Blenheim ist eine bekannte Weingegend, mit vielen guten Weingütern. Da die Kinder aber lieber Schokolade essen und auch nur dürfen, sind wir eine kleine Schokoladenmanufaktur besichtigen gegangen. Ich muss zugeben, auch ausserhalb der Schweiz gibt es „feini Schoggi“!

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Tags darauf also nach Picton (28km, 0:23h) und auf die Fähre.

Die Fähre, welche die Süd- und die Nordinsel Neuseelands verbindet, hat wirklich gigantische Ausmasse. Das Fahrzeugdeck ist mindestens dreistöckig und es passen ganze LKW’s, aber auch Camper und Autos darauf. Logistisch ist es keine einfache Aufgabe, die beiden Teile des Landes mit Waren zu versorgen. Lustiger weise hatte es auch einen Transporter mit Kühen auf der Fähre und ich habe mich gefragt, ob die im Norden wohl keine Kühe züchten?

Die Fahrt dauert 3 Stunden und geht zu Beginn durch eine fjordähnliche Landschaft, nördlich von Picton, bevor es dann auf das offene Meer geht. Leider war das Wetter am Abreisetag nicht besonders gut, so sind die Bilder etwas grau geraten.

12 Apostel

Teil unseres Zwischenstopps in Melbourne sollte ein Abstecher zu den Zwölf Aposteln, ca. 230km südlich von Melbourne, sein. Dafür hatten wir ein Mietauto für 2 Tage reserviert, sowie eine Unterkunft in der Nähe der Zwölf Apostel, in Port Campbell.

Die Zwölf Apostel sind bis zu 60m hohe, im Meer stehende Felsen aus Kalkstein, die durch Erosion entstanden sind und nach Ayers Rock, das meist fotografierte Sujet in Australien. Obwohl sie Zwölf Apostel heissen, sind es eigentlich nur acht Felsen (bis 2005 waren es noch neun, doch die neunte Säule ist damals an der Basis zusammengestürzt). Zwölf Apostel tönt wohl einfach besser.

An diesem schroffen Küstenabschnitt gibt es noch weitere Sehenswürdigkeiten, wie z.B. London Arch, The Razorback, Loch Ard Gorge, um nur die wichtigsten zu nennen.

Viele „erledigen“ das ja in einem Tagesausflug, doch für die Anreise aus Melbourne braucht man gut 3 Stunden, d.h. man ist so gegen Mittag dort, zusammen mit allen anderen Reisegruppen… ausserdem konnten wir die Zwölf Apostel so zweimal besichtigen, am Nachmittag und am Vormittag, was sich als Vorteil herausstellte, da die Sonne nachmittags teilweise ungünstig stand (die Zwölf Apostel stehen nachmittags in ihrem eigenen Schatten!).

Port Campbell, unser Ziel für die Übernachtung, ist ein lustiges, kleines, verschlafenes Nest an der Küste, welches hauptsächlich vom Tourismus zu den Zwölf Aposteln lebt. Viel mehr darüber gibt es eigentlich nicht zu berichten.

Für die Rückreise haben wir dann die längere Route über die Great Ocean Road, einer wirklich spektakulären Küstenstrasse, genommen, was zwar mindestens eine Stunde länger, als die Route über das Hinterland dauert, jedoch den Mehraufwand auch wert ist.

Und hier noch ein kurzes Video aus einer etwas anderen Perspektive:

Melbourne

Melbourne haben wir als Zwischenstopp zwischen Thailand und Neuseeland eingeplant und ausserdem wollten wir die 12 Apostel (später davon mehr) südlich davon besuchen.

Von Melbourne wussten wir nicht so ganz, was wir erwarten sollten. Wir wussten, dass es eine grosse Stadt ist (klar, nicht so gross wie Sydney). Wir hatten gelesen, dass es dort ein paar Sehenswürdigkeiten geben würde (die alte Strassenbahn, den Hafen, das „Riesenrad“ Melbourne Star, die Innenstadt, der alte, überdachte Markt und weitere interessante Gebäude aus der Gründerzeit, nur um ein paar zu nennen). Zwei Freunden von uns hatte die Stadt nicht besonders gefallen, andere haben dort mehrere Jahre gelebt… viele Fragezeichen!

Und wie würde sich die Stadt wohl anfühlen? Jede Stadt hat für mich ihre besondere Atmosphäre und darum war ich besonders gespannt, was wohl Melbourne für einen „Vibe“ haben würde.

Gleich am ersten Tag sind wir zu Fuss im CBD (City Central Business District) auf einen Strassenmusikanten gestossen, der aus ausgedienten Baumaterialen einen wirklich tollen Beat gezaubert hat.

https://www.youtube.com/watch?v=8hYDtCHyYmE

Somit hatte die Stadt schon einige Pluspunkte gesammelt, denn wo es gute Strassenmusiker gibt, da fühle ich mich gleich wohl und entspannt. Überhaupt gab es immer wieder Strassenmusiker: einmal nur mit Gitarre und Musik im Stil von Joni Mitchell, dann eine Irish-Folk Band und dann wieder eine junge Singersongwriterin, mit irrsinnig viel Publikum.

Man sieht in den Strassen, auch im CBD, viele junge Menschen. Da Melbourne eine Universitätsstadt ist, sind wohl viele von ihnen Studenten. Sie wirkten auf mich entspannter (ausser die Asiaten natürlich – aber das ist an jeder Uni weltweit wohl so), als unsere Studenten an der Universität Zürich, sowohl die von heute, als auch diejenigen, als ich noch selbst immatrikuliert war. Da merkt man, dass wir in der Schweiz in einer ausgeprägten Leistungsgesellschaft leben.

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Dann haben wir natürlich die obligate Sightseeing-Tour (aber nicht im offenen London-Bus o.ä., falls ihr das gedacht habt!) absolviert: sind mit der alten Strassenbahn gefahren, den Hafen und den Melbourne Star besichtigt, den alten Markt besucht, den historischen Bahnhof, die schönen Parks und Promenaden um dem Yarra-Fluss entlang spaziert und „Little Italy“ einen Besuch abgestattet. In 2-3 Tagen locker zu bewältigen.

Zu „Little Italy“ noch ein interessantes Detail: dieses Quartier, das anders als in New York, nicht aus engen Gassen besteht, sondern über grosszügige Strassen, fast Boulevards, verfügt, ist die „grösste italienische Stadt ausserhalb Italiens“. So jedenfalls wird sie in Melbourne genannt. Was so viel heissen soll, dass es die grösste Gemeinde von Auslandsitalienern ist. Selbstverständlich haben wir uns ein feines Gelato gegönnt, in einer Gelateria, die ebenso gut in einer italienischen Kleinstadt der 80er Jahre hätte sein können und mit einer Besitzerin, welche, ganz in italienischer Manier, eine gute dreiviertel Stunde mit uns palavert hat und am Schluss noch Lara und Fiona eine Extrarunde Gelato spendiert hat.

Gewohnt haben wir übrigens im „Space Hotel“. Der Name liess den Zöllner am Flughafen zum Witz hinreissen, ob es dort Raketenzimmer geben würde (Zöllnerhumor vielleicht…). Gebucht hatten wir es, weil es als eines der wenigen Hotels im Zentrum von Melbourne über ein Familienzimmer verfügte. Es stellte sich dann heraus, dass es eine Art privat geführte Jugendherberge war, mit Gemeinschaftsduschen (wir hatten aber zum Glück eine eigene), Gemeinschaftsküche, Waschküche und strengen Alkoholregeln (kein Alkohol im Hause erlaubt, bei den vielen jungen Hausbewohnern, sicher eine gute Idee). Und auch hier haben wir uns rundum wohl gefühlt, haben in der Gemeinschaftsküche gefrühstückt und ab und zu auch gekocht. Wer es unkompliziert mag, dem kann ich es nur empfehlen.

Also uns hat Melbourne insgesamt gefallen, wenn wir es auch mit keiner anderen Stadt in Australien vergleichen können. Auf unserem Rückweg aus der Südsee werden wir ja dann noch in Sydney, Brisbane und Darwin halt machen.